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Fotos: Gerald Richter / Anna Amann

Ostereier

Handbemalte Ostereier, wie das hier vorliegende Stück mit vereinfachtem Blumenmotiv des Regensburger Künstlers Andreas Pirkenseer, mögen auf den Betrachter im ersten Augenblick ganz selbstverständlich und alltäglich erscheinen. Überlegt man dabei, wie schwierig es ist, eine runde Fläche zu bemalen – vor allem in Anbetracht der Zerbrechlichkeit der oftmals echten Eierschalen –, dann stellt sich die Frage, wie gefärbte, bemalte und kunstvoll verzierte Stücke ein beliebtes Sinnbild für die Osterzeit in Deutschland werden konnten.

Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass Eier nicht nur dem Verzehr vorbehalten waren. So wurden sie in der Naturalwirtschaft bis zum ausgehenden 18. Jahrhundert auch als Rechen- und Bezahlungsmittel unter anderem bei Pachtschulden und Zinsen genutzt, wobei diese jährlich an Ostern fällig wurden.  Das könnte dazu beigetragen haben, dass Eier fest mit der Osterzeit verknüpft wurden; ob das Ei dadurch zum christlichen Ostersymbol wurde, lässt sich nicht sicher sagen. Erste Belege für rot eingefärbte Eier im Kontext des Osterfestes finden sich im Mittelalter in Süddeutschland und Österreich. Das Färben lässt sich möglicherweise darauf zurückführen, dass Eier in der Fastenzeit nicht verzehrt werden durften: Durch das Hartkochen und Anmalen blieben sie von frischen Eiern leichter zu unterscheiden und waren länger haltbar. Die nach den Zinsabgaben übrig gebliebenen Eier konnten anschließend zum Osterfest verspeist werden.

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Rund um die Ostereier haben sich in den letzten Jahrhunderten vielerlei Bräuche entwickelt, die sogar mancherorts verboten wurden: Das weithin verbreitete Aneinanderschlagen von Eiern zum Beispiel wurde anfangs des 16. Jahrhunderts in der Stadt Eger untersagt. Auch die Stadt Amberg verhängte zum Ende des 18. Jahrhunderts ein Verbot für das Färben und Verkaufen roter Eier. Doch diese Beschränkungen konnten die Weiterführung unterschiedlichster Bräuche langfristig nicht verhindern, wie verschiedene Sprichwörter und Verse andeuten. Als Gabe für Kinder oder als Geschenk unter Liebenden sind rote Eier vor über hundert Jahren belegt, zum „Anbandln“ werden heute noch „Liebeseier“ vor der einen oder anderen Haustür in Bayern abgeholt. Allen gemeinsam ist die Farbe Rot, das eine Erinnerung an das vergossene Blut Jesu sein kann.

Nicht nur die Farbe, auch das Ei selbst ist ein Symbol: In Bezug auf vorchristliches Kultdenken soll es für Fruchtbarkeit und Leben stehen. Über frühchristliche Naturdeutung fand es Einzug in den Schöpfungs- und Heilsglauben. Hier wird es mit der Grabhöhle, der Totenstätte Christi, gleichgesetzt. Es ist ein sich der Wahrnehmung entziehender Transformationsprozess, der sich mit dem Bruch der Hülle, dem Zerbrechen des Steins und letztendlich dem Brechen des Todes offenbart durch die Auferstehung.

Inzwischen sind die Gestaltungsformen mannigfaltig: geometrische Perlenmuster,  applizierte Stickereien, Farbtupfen oder auch  Malereien. Die unzähligen Gestaltungsmöglichkeiten haben  dazu beigetragen, das Miteinander des Osterfestes farbenfroh ­– und nach eigenem Geschmack  – zu feiern. Die Popularität, die das Ei als Ostersymbol genießt, wäre ohne diese Vielfalt wohl weniger ausgeprägt.  (Raffaela Kerscher)