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Gisela Griem (geb. 1940)
Murnau

Giesel Griem Murnau

Die Landschaft und die diese erst bildende Natur sind der Ausgangspunkt der Holzschnitte, Radierungen und Collagen. Diese Werke bestechen in mehrfacher Form, da sie den Reiz der Wahrnehmung in den der Reflexion münden lassen. Gisela Griem überträgt das Gesehene, Gefühlte und Erlebte in und aus der Natur in so hochgradig abstrahierte Werke auf Papier, dass einem Unwissenden bzw. Unerfahrenen der Ausgangspunkt – ich sage ganz bewusst nicht Ab- oder Vorbild – nicht in den Sinn kommen mag.

Es sind Chiffren der Natur, geistige und emotionale Übertragungen, die in ihrer Unaufdringlichkeit eine wahre Wohltat sind in unserer überhitzten Ton- und Bild-Gegenwart, die unsere Sinne weniger anregt als sie vielmehr Stück für Stück einen verzweifelten Tod sterben lässt.

Griems zurücknehmende Formen entstehen aus einer hoch konzentrierten und feinfühligen Arbeit, wenn die von der Hand geführte Radiernadel oder das Messer durch Kratzen, Wegnehmen und Entfernen die Frei-Räume schafft, die das spätere Kunstwerk vorbereiten.
Dabei wechselt die Künstlerin zwischen dem Tiefdruck der Radierung und dem Holzschnitt, einem Hochdruck. Sie kombiniert Tief- und Hochdruck in einem Werk, auf einem Blatt Papier. Das erhöht den materiellen Reiz und gibt den durchweg eher zurückhaltend eingesetzten Farben die Möglichkeit, ihr Wirkungspotential weiter auszudehnen.
Die vom Inneren kommende Freude am Verbinden, am Ermöglichen und am Erschaffen ist ein starker Wesenszug der in Wenzenbach bei Regensburg lebenden Künstlerin.
Dieses Kreieren beinhaltet auch das Wiederverwenden und den mehrfachen Einsatz einer einmal gewonnenen Druckplatte. Das Versuchen, Experimentieren, Kombinieren und Überlagern durchzieht das gesamte grafische Werk der Künstlerin – und das immer wiederkehrende Thema Triptychon. Das dreigeteilte Bild, so wie wir es von vielen Altarbildern her kennen, nutzt Griem für eine etwas andere Lesart. Ergänzen üblicherweise die Seitenflügel das Hauptbild bzw. führen dem Betrachter die Vorgeschichte zu dem in der Mitte dargestellten Ereignis vor, sind in den hier präsentierten Werken die Seitenbilder ein Fazit des mittleren Bildes. Meist wird einer zentral angelegten Landschaft mit Höhen- und Zwischenlinien ein Bildgegenstand entnommen und dann links und rechts fokussiert interpretiert. Das, was in der Mitte des Werkes zunächst klein und scheinbar unbedeutend ist, erlangt an den Rändern eine eigene Bild-Macht und Bedeutung.
Und gerade hier wird das eigentliche Grundmotiv der Griem‘schen Kunstwelt deutlich: Es ist die Linie. Der einfache Strich, selten als Kontur geführt, ist das alles bestimmende Element. Linie zu Linie, Linie über Linie, manchmal gebündelt und verschlungen – die Natur stellt sich als ein einfaches reduziertes zeichnerisches Element dar, das ausschließlich aufgrund seiner Position auf der Fläche zu einem ganzen Bild wird. Es geht hier selten darum, Gegenstände in ihrem Umriss zu erfassen und darzustellen. Und gerade das unbestimmte Fortführen von Linien bis an den Rand, ohne Erläuterung, wohin und wie weit es noch gehen soll, erzeugt neue Landschaften im Blick des Betrachters.

Marcus Spangenberg
(Auszug aus der Eröffnungsrede)

Murnau
2009
Holzschnitte
3 mal 29 x 29 cm

Zu sehen in der Ausstellung „Gefundene Landschaften“ bis 9. August 2009 in der Kunststation St. Jakob, Ihrlerstein

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