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In der Bibel beschreibt der Evangelist Johannes eine kühne Vision, ein fernes Bild von der Wohnstadt Gottes im Himmel, dem Himmli­schen Jerusalem. Diese Stadt mit Türmen und Toren ist erbaut aus Edelsteinen und Gold, ein einziges Leuchten. Johannes versagen die Sinne, das Bild über­steigt seine Vorstellungskraft. Zwei Welten, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, treffen hier aufeinander. Die Vision der Himmelsstadt, jenes „Luftschloss“,

ist so betörend und geheimnisvoll, dass alles Irdische dagegen klein und platt erscheint. Unser Kunstwerk „Das Himmlische Jerusalem“ verfolgt umgekehrt einen direkt entgegen­gesetzten Gedanken. Elektrische Verteiler­platten aus dem Computer, etwas Alltägliches aus unserer heutigen Welt, sind auf Goldgrund kunstvoll arrangiert. Die silbrigen Platinen bilden eigentümliche Muster, schön wie Ornament, aber auch geheimnisvoll wie Spuren aus einer fremden Welt, fernab unserer menschlichen Vorstel­lungskraft. Es ist die schier unfassbare Welt der Mikro­elektronik, Faszinosum unserer hochtech­nisierten, nahezu abgöttisch fortschritts­gläubigen Zeit, welcher hier mit Blick auf die großen Fantasien des biblischen Zeitalters künstlerisch der Spiegel vorgehalten wird. (FF)

90 x 90 cm
Platinen auf Holz
2004

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