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Die Heilige Familie

Das dreigeschossige Eckhaus, das mit der Giebelfront zur Fahrbeckgasse ausgerichtet ist, stammt in seinem Kern aus dem 17. Jahrhundert. In einer Freifläche der Nordfassade zeigt ein Rundbogenrelief des späten 19. Jahrhunderts aus Kunststein die Heilige Familie (auch „Heiliger Wandel“ genannt): Maria und Josef, die in der Mitte das Jesuskind an den Händen halten, beschützt von Gottvater. In der Bildmitte ist der Heilige Geist in Gestalt einer Taube dargestellt. Die Erscheinung Gottvaters mit der Taube über der wandelnden Familie wurde in der Kunst des 17. Jahrhunderts zum beliebten Motiv, gedeutet als „Dreieinigkeit auf Erden“. So bildet auch hier die Mittelachse des früher farbig gefassten Reliefs die Ansicht von Vater, Sohn und Heiligem Geist.

Anfang des 20. Jahrhunderts erwarb der Urgroßvater des heutigen Eigentümers Gerhard Köstlmeyer jun. das Haus an der Ecke zur Heiliggeistgasse. Georg Pfeffer war Bäcker. Baupläne von 1909 dokumentieren einen Backstubenumbau von Februar bis Mai. Er ließ das Relief, das nach der Familienüberlieferung aus einer Feldkapelle stammt, an der Fassade anbringen. Nach der soeben abgeschlossenen Restaurierung wird die Schönheit des denkmalgeschützten Hauses sichtbar, und auch das Steinbild der Heiligen Familie erstrahlt in neuem Glanz. Dem Haus hatte bereits der Abbruch gedroht. 1979 stellte das Landesamt für Denkmalpflege die Denkmalwürdigkeit des Hauses fest. 1980 konnte es Gerhard Köstlmeyer sen. zurückkaufen und in den vergangenen Jahren nun gemeinsam mit seinem Sohn liebevoll sanieren.

Das Relief nimmt bildlich den historischen Namen der angrenzenden Gasse auf, denn das Haus steht mit seiner Traufseite zur Heiliggeistgasse. Um 1368 heißt es „in der hl. Geist Strazz“, im 18. Jahrhundert wurde die stille Straße als „Geistgäßl“ bezeichnet. Die Benennung erinnert eventuell an eine Kapelle, die dem Heiligen Geist geweiht war, deren Lage und Geschichte aber nicht überliefert ist. Man könnte vermuten, dass die Kapelle zu einem Heiliggeistspital gehörte. Im Archiv der Katharinenspitalstiftung gibt es zwei Urkunden, die im 13. Jahrhundert eine Schenkung an ein Heiliggeistspital ausweisen. Das Heiliggeist-Patrozinium war im Mittelalter weit verbreitet; rund 40 000 Spitäler in Europa trugen diesen Titulus. Ob, wo und wie lange eine dem Heiligen Geist geweihte Fürsorgeeinrichtung für Arme und Kranke in Regensburg existierte, ist nicht sicher nachweisbar.

Heilige Familie

 


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