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Nachruf

In den Vormittagsstunden des Samstags, 14. März 2020, hat Gott, der Herr über Leben und Tod, für Familie und Freunde völlig unerwartet den Künstler Alfred Böschl in sein himmlisches Reich gerufen. In dankbarer Erinnerung bleibt er uns in seiner starken Persönlichkeit und seinem leidenschaftlichen Wirken unvergessen.

Daheim in der ehemaligen Hofmark Adlhausen in der Hallertau, wo er 1949 in eine Baumeisterfamilie hineingeboren worden war, in nächster Nähe zu den Klöstern Weltenburg und Rohr sowie dem Chorherrenstift Paring, schuf Alfred Böschl seine bildhauerischen Werke. Der christliche Glaube war ihm immer nah, aus ihm heraus gestaltete er sein Leben für sich und mit seiner Familie. Ein kritischer Geist und sakrale Kunst – für Alfred Böschl, der sein Handwerk von 1963 bis1967 an der Staatlichen Fachschule für Bildhauerei in Oberammergau lernte und 1967/68 die Akademie der Bildenden Künste in München besuchte, ging das gut zusammen. In seinem fundierten Wissen und mit großem handwerklichen Können floss die christliche Ikonografie so selbstverständlich in seine Zeichnungen und Skulpturen ein, dass die Arbeiten still und kraftvoll für seine religiöse Überzeugung stehen.  

In dieser als Vorbild gelebten Authentizität war er der Diözese Regensburg ein stets verbundener Künstler, dessen Werke ihn über den zu frühen Tod hinaus in Erinnerung bleiben lassen. Zu seinen prominentesten, auch publikumsträchtigsten Arbeiten gehören wohl das im freundschaftlichen Zusammenwirken mit seinem Kollegen Hans Langhammer für den Besuch von Papst Benedikt XVI. in Regensburg 2006 geschaffene Jugendkreuz und die Altarinsel auf dem Islinger Feld. Alfred Böschl zählte sie selbst zu seinen besonderen und dachte gerne an die Erlebnisse jener Septembertage, in denen er dann sogar die Nacht vor der Messe auf dem Feldbett auf der Papstwiese verbrachte. „Das ist eine Kostbarkeit, die ich in mir trage“, sagte er darüber mit einem leisen Lächeln, das spüren ließ, wie wertvoll sie ihm war.

Ebenfalls in Arbeitsgemeinschaft mit Helmut Langhammer führte er die liturgischen Orte im Haus Johannisthal aus. Die Pfarrkirche Ergoldsbach in Niederbayern prägte er mit seinem Gespür für den Stein und starker Formensprache. Er gestaltete 1999 das Epitaph für die selige Anna Schäffer, 2003 das Priester-Exerzitienhaus Werdenfels und die Brunnenanlage im Innenhof des Klosters Weltenburg, 2010 wieder als Wettbewerbssieger die Josefs-Figur bei der Abtei St. Josef in Thyrnau, übernahm 2011 die Kirchenraumgestaltung St. Jakobus d. Ä. in Hebrontshausen und 2012 die Altarraumgestaltung der Kirche Mindelstetten zur Heiligsprechung von Anna Schäffer. Seit 2015 begrüßen seine Glasarbeiten im Eingang zum Gästehaus Weltenburg die Besucher im benediktinischen Geist. Im Regensburger Dom bergen die von Alfred Böschl entworfenen Tombakgefäße auf dem Rupertusaltar die heiligen Öle.

„Mein Schutzengel braucht nur einen Flügel“ benannte der Künstler eine Holzplastik, die im Rahmen des Projekts „Da-Sein in Kunst und Kirche“ in mehreren Gotteshäusern Thema der Gottesdienste war. Immer wieder war es das Motiv des Engelflügels, das Alfred Böschl beschäftigte, auch steinerne Flügel, die den Menschen tragen, auch über Abgründe hinweg, beschützen, befreien. Seine Flügel wurden zum Symbol für den göttlichen Beistand, zum Symbol auch für eine menschliche Haltung des Vertrauen und Glaubens.

Alfred Böschl brauchte die Exkursionen in die weite Welt, vor allem die Arbeitsaufenthalte in die USA, um neue Sichtweisen und Annäherungen für seine Kunst zu entdecken. Er war neugierig und aufgeschlossen und dabei in der Heimat ein entschiedener Kämpfer für die Sache der Künstler. Von 1989 bis 2001 Vorsitzender des Berufsverbandes Bildender Künstler Niederbayern/Oberpfalz (BBK), von 2003 bis 2012 Vorsitzender des Kunst- und Gewerbevereins Regensburg setzte er sich für die Berufskolleginnen und -kollegen ein. 1998 wurde er in die Kunstkommission des Bistums Regensburg berufen. Auch hier galt sein Engagement einer wertschätzenden Kritik von Entwürfen und Werken bei Wettbewerben und Kirchenraumneugestaltungen. Mit dezidierten Aussagen, bodenständiger Urteilskraft und respektvoller, aber auch durchaus augenzwinkernder Diplomatie war er als Vertreter der Künstlerschaft ebenso wie als Berater der Pfarrgemeinden immer auf der Suche nach der besten, weil qualitätvollsten Lösung.

Der künstlerische Wert der Arbeiten war für ihn das entscheidende Kriterium. Das galt auch für die ab 2010 umgesetzte Idee des Kunst.Preises für Menschen mit Behinderung, die er mit dem Direktor der Katholischen Jugendfürsorge Michael Eibl schnell zum Erfolg gelingen ließ. Es war ihm ein Anliegen, die kreativen Talente von Frauen und Männern in betreuenden Einrichtungen sichtbar zu machen, ihnen auf Augenhöhe zu begegnen und ihre Bilder und Skulpturen in Ausstellungen und Katalog einem großen Publikum zu eröffnen. Noch am Montag, 9. März, war er mit vollem Einsatz bei der neunstündigen Jurysitzung dabei, um aus 575 eingereichten Werken eine Ausstellung zusammenzustellen und die diesjährigen Preisträger auszuwählen. Nicht der Sozialbonus zählte, sondern Idee und Umsetzung. Alfred Böschl diskutierte, argumentierte und staunte über den Ausdruck, Bildfindung und Motive. Er hat sie sich erhalten bis zum Schluss seines Lebens, die Freude über gute Kunst und spirituell verwurzelte Kreativität.

Alfred Böschl war uns Freund, Wegbegleiter und kluger Ratgeber. Wir sind ihm für alles von Herzen dankbar, was er für uns und viele andere getan hat. In Trauer gehört unsere tiefe Anteilnahme seiner Frau Gertraud und seiner Familie. Vergelts Gott, lieber Alfred Böschl!

Michael Fuchs
Generalvikar

Dr. Maria Baumann
Leiterin Kunst- und Denkmalpflege

Jurysitzung I Kunst.Preis 09032020

Jurysitzung für den Kunst.Preis am 09. März 2020, 3. v. li. Alfred Böschl. Foto: Uwe Moosburger

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