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Kennen Sie Regensburg? Die kleinen Besonderheiten an den Häuserfassaden

Regensburg ist eine Stadt der Geschichte und Geschichten. Wir möchten Sie einladen, nicht nur die großen Denkmäler neu zu entdecken, sondern mit neugierigen Blicken auch die kleinen Schönheiten wahrzunehmen. Die zahlreichen, oft recht versteckt angebrachten Kleindenkmäler machen den besonderen Reiz mancher traditionsreicher Fassaden aus. Die Steinbilder erzählen von der Zeit, in der die Häuser erbaut wurden, von den Hoffnungen und dem Glauben der Hausbesitzer, die ihr Hab und Gut unter den Schutz Gottes stellten. Um viele Reliefs ranken sich spannende Legenden. Und einige Kunstwerke haben selbst eine recht bewegte Geschichte hinter sich, bevor sie an dem Platz eingemauert wurden, an dem sie heute so selbstverständlich zum Stadtbild gehören, dass sie oft gar nicht mehr bewusst wahrgenommen werden.

 

Die Heiligen Drei Könige   

Das Arma-Christi-Relief  

Das Osterlamm      

Christus in der Hafnerwerkstatt       

Die Heilige Familie        

Hl. Petrus

Hl. Christophorus

Hausmadonna

Jona und der Wal

Kreuz und Weintraube

Pestsäule

 


Pestsäule

Dieses gotische Denkmal steht am Wegesrand. Deutlich zu erkennen ist ein Kreuzigungsbild mit dem Gekreuzigten und Maria und Johannes unter dem Kreuz. Im Giebelfeld darüber sieht man das Regensburger Stadtwappen. Es ist der Stadt zugewandt: Vor dem Jakobstor, am Anfang der Prebrunnallee, steht das gezeigte Steinbild. Es ist die Wegsäule vor dem Jakobstor, früher auch als "Pestsäule" bezeichnet.

Die Kunsthistorikerin Dr. Rosa Micus hat sich in ihren Forschungen sehr intensiv mit dem besonderen Denkmal beschäftigt und Interessantes herausgefunden. Solche Wegsäulen gab es im späten Mittelalter in der Nähe von Stadttoren häufiger. Allein in Regensburg ist in der Nähe des ehemaligen Peterstores mit der sog. "Predigtsäule" ein weiteres Beispiel erhalten. Ihre ursprüngliche Funktion ist schwer zu erklären: Es kann ein Rechtszeichen sein, das den Ort rechtlich bindender Handlungen markiert. Es kann ein Sühnezeichen sein, mit dem nach mittelalterlicher Vorstellung eine Fehlhandlung wiedergutgemacht werden konnte, oder es kann ein Denkmal an ein bestimmtes Ereignis sein. Worum es sich bei der Säule beim Jakobstor handelt, ist nicht belegt.

Aus einer unterhalb der kleineren Figurenreihe umlaufenden Inschrift kennen wir den Stifter und das Datum der Aufstellung der Wegsäule. Es war der Regensburger Bürger Ruger Krugl, der `hinter Heilig Kreuz´ (in der Westnerwacht nahe dem Dominikanerinnenkloster, wohl am Stahlzwingerweg) wohnte. Als Tag ist der 5. März 1459 angegeben. Die kleinen Figuren zeigen die zwölf Apostel und, auf der Seite unter der Darstellung mit Christus als Weltenrichter – heute der stadtauswärts gewandten Seite – den knienden Stifter, begleitet von drei Frauen. Das können die Frauen des Stifters sein: Bei der kurzen Lebensdauer insbesondere der Frauen in früheren Jahrhunderten (Kindbettfieber) waren mehrere Eheschließungen nacheinander für den Mann gar nicht so selten. Mit der Pest hat aber die Wegsäule, ebenso wie mit einem Verlöbnis des Stifters wohl nichts zu tun.

Oberhalb von Christus als Weltenrichter ist im Giebelfeld das Steinmetzzeichen oder die Marke von Ludwig Foltz (1809-1867) zu sehen. Man kennt ihn in Regensburg als den Architekten der Königlichen Villa und der Vollendung der Neupfarrkirche. Er ergänzte die Wegsäule um die Mitte des 19. Jahrhunderts mit Sockelzone und krabbenbesetzter Turmspitze. An dieser Seite erscheint der Stiftername unter den Stifterfiguren und darunter die Jahreszahl 1459. Die Zeichnungen, in denen Foltz die mittelalterlichen Reste festhielt, zeigen die Seite mit der Kreuztragung und mit dem Kreuzigungsbild. Auf beiden Ansichten ist unter den kleinen Apostelfiguren die Jahreszahl dargestellt, was nicht der heutigen Aufstellung entspricht. Möglicherweise wurde das Hauptmotiv der mittelalterlichen Bildfolge mit dem Stifter, Figur und Namensnennung, der (mittelalterlichen) Jahresangabe und dem Steinmetzzeichen des kunsthandwerklich arbeitenden Bildhauer-Restaurators im 19. Jahrhundert durch Drehung der Säulenteile so zusammengestellt, wie wir es heute sehen. Die vier Evangelistenfiguren am Säulenschaft wurden ebenfalls von Ludwig Foltz ergänzt.

Der Stadtplan von Hans Georg Bahre von 1614 zeigt, von außen gesehen, diese Säule, die sog. "Pestsäule", rechts vor dem Jakobstor und die sog. "Predigtsäule" vor dem Peterstor, ebenfalls auf der rechten Seite. Dort stand sie auch noch nach Anlage des Alleengürtels 1779/81. Sie wurde aber im Zuge der Erweiterung 1804 zusammen mit den Resten der Bastei abgetragen. Erzbischof Carl von Dalberg, von 1802/03 bis 1810 Regent von Regensburg, gestaltete insbesondere die Plätze in der Stadt und den Bereich vor Jakobs- und Peterstor um. Vor dem Ostentor gab es private Gärten, war also eine Gestaltung bereits durchgeführt. Einem halbrunden Platz vor dem Jakobstor stand die Wegsäule im Wege, weshalb sie der letzte Fürstabt von St. Emmeram, Cölestin Steiglehner, kaufte und auf das zum Kloster von St. Emmeram gehörige Gut Hohengebraching brachte. Sie wurde schließlich am Hohengebrachinger Forst am Waldrand aufgestellt.

Dort sieht sie eine Festtagsgesellschaft im Sommer 1845 in romantischer Verklärung stehen: "Bei untergehender Sonne sah er die munteren Gäste über die abhängige Wiese, am Teiche vorüber, heimwärts in den Wald ziehen, der von fröhlichem Gesange wiederhallte. Eine Stimmung, wie sie nur die feierliche Natur in die Herzen zaubert, gab der Augenblick der Gedanken: Wie schön, - wie erbaulich wäre es, dieses Regensburger Denkmal der Stadt wieder zuzuwenden" (aus einer 1845 anonym erschienen Schrift zur "Gedächtnis-Säule"). Der damalige Besitzer von Hohengebraching schenkte 1845 die Reste der Säule der Stadt; der ungenannte Autor einer kleinen Denkschrift ruft noch im selben Jahr zu Spenden für die Wiederherstellung der Säule und ihre Wiedererrichtung vor dem Jakobstor auf. So sind es romantische Gesinnung und verklärter Blick auf das Alte, die der Wegsäule ihren heutigen Standort – zugleich einem ähnlichen, wie ehedem – gaben.

Wegsäule

Foto: altrofoto.de


 

Kreuz und Weintraube

Dieses Denkmal können Sie am besten bei einem Herbstspaziergang entdecken - in einem Stadtteil, in dem die dargestellte Frucht in besonnter Südlage heranreifte: ein Reliefstein mit den Emblemen des Weinbauers. Und dieser findet sich natürlich in dem Stadtteil, in dem sich noch heute die Weinfreunde zur Lese treffen: in Winzer.

Nürnberger Straße 182: Diese Adresse gehört zu einem historischen Regensburger Gebäude. Die Straße wurde 1486 als neue Handelsroute nach Franken angelegt. In dieser Zeit hatte sich die Stadt kurzfristig Bayern angeschlossen. Als Kaiser Friedrich III. 1492 für Regensburg wieder den Status der Reichsstadt erzwang, erhoben die bayerischen Herzöge für den über die Steinerne Brücke und durch das bayerische Stadtamhof fließenden Handelsverkehr Zölle.

Die „Alte Mauth“ wird um 1800 erbaut. Im Sockel des Walmdachhauses ist ein Stein eingelassen, der über die noch frühere Geschichte des Ortsteils erzählt. Das Relief trägt die Jahreszahl 1570. Seitlich des dargestellten Kreuzes sind die Zeichen der Weinbauern eingelassen, das Rebmesser und die Weintraube. Im 16. Jahrhundert steht in Winzer noch eine Burg, umgeben von Weingärten. Der Reliefstein zeugt davon, dass hier im Mittelalter Wein angebaut wird. Der leichte Landwein ist das Volksgetränk, da es an sauberem Wasser mangelt. Der Vater der bayerischen Geschichtsschreibung Johannes Turmair, gen. Aventinus, der in Regensburg seine letzten Lebensjahre verbringt, weiß vom Bayerwein zu berichten: „Der gemeine Mann auf dem Gäu in Baiern sitzt Tag und Nacht beim Weine.“ Ganz unrecht hat er wohl nicht. So stehen, wie die Klosterarchivalien verraten, zum Beispiel den Angestellten der Benediktinerabtei Prüfening am Tag zwischen zwei und sechs Maß Wein zu.

Der Reliefstein verbindet die Zeichen des Kreuzes und der Weintraube. Im Johannesevangelium sagt Jesus zu seinen Jüngern: „Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater ist der Winzer... Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben“ (Joh 15). Bei der Hochzeit zu Kana (Joh 2,1-11) wird der Rebensaft zum Symbol für ewige Freude und Fülle. In der sakralen Kunst wird das Kreuz auch als ein Trauben tragender Weinstock dargestellt. Auf die Verwandlung des Weins in das Blut Christi beim Messopfer weist das mittelalterliche Motiv „Christus in der Kelter“ hin. Es zeigt Christus bei der Arbeit in der Weinpresse. Der gewonnene Wein wird in einem Kelch für die Eucharistie aufgenommen. So steht die ausgepresste Weintraube für Christus selbst.

Traube

Foto: altrofoto.de


Jona und der Wal

2016 war Regensburg originellstes Wirtshausschild plötzlich verschwunden. 5 Jahre später ist nun eine Rekonstruktion am Haus Unter den Schwibbögen 21 zu sehen.

Das in der Spätgotik umgebaute Pultdachhaus verrät im 1. Obergeschoss der Südfassade mit den Resten einer spätromanischen Dreierarkade seine lange Geschichte. Bereits im 16. Jahrhundert beherbergte es das Gasthaus „Zum Walfisch“. Die Gaststätte gab im Volksmund sogar dem östlichen Teil der Straße ihren Namen. Am barocken westlichen Anbau weist der Ausleger dem Gast den Weg. Das klassizistische Wirtshausschild aus getriebenem Eisenblech stammt aus der Zeit um 1800 und zeigt den Walfisch, der Jona an Land speit. In das schmiedeeiserne Gestänge sind die Initialen des Auftraggebers geflochten: „C R“ für den Weingastwirt Caspar Reck. Die über den Ornamenten aufgesetzte Postkutsche ist wohl jünger.
Im November 1686 wohnte eine Nürnberger Schauspielerin namens Julia im Gasthaus „Zum Walfisch“. Ihr galanter Kavalier sorgte für einen Skandal in der sittenstrengen Reichstagsstadt, in der Etikette alles galt. Der Gesandte und bedeutendste englische Restaurationsdramatiker Sir George Etherege verletzte wieder einmal eines der vielen Tabus, als er in seinem Haus am „unteren Jakobsplatz“, dem heutigen Arnulfsplatz 4, mit der Komödiantin speiste. Regensburger Burschen demonstrierten vor den Fenstern ihre kleinbürgerliche Moral und forderten die Herausgabe Julias. Etherege verteidigte seine Geliebte und geleitete sie sicher in ihr Quartier im „Walfisch“.

„Zum Walfisch“ gehört zu den häufigsten historischen Wirtshausnamen. Oft wurden dafür religiöse Symbole verwendet. Der Schmied dieses Schildes setzte eine der bekanntesten biblischen Geschichten um: die Rettung des Propheten im Buch Jona des Alten Testaments (Jona 2,1-11). Jona wird auf seiner Flucht vor der göttlichen Aufgabe, der Stadt Ninive (im heutigen Irak) den Untergang zu prophezeien, von einem Wal verschluckt und am Strand von Ninive wieder ausgespieen. Diese Episode wurde zum christlichen Sinnbild für den Tod und die Auferstehung Jesu. Das Matthäusevangelium überliefert in 12,40 die Worte Jesu an die Schriftgelehrten und Pharisäer, die von ihm ein Zeichen fordern: „Denn wie Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches war, so wird auch der Menschensohn drei Tage und drei Nächte im Innern der Erde sein.“

Wal

Foto: altrofoto.de


Hausmadonna

Diese Figur finden Sie an einem Haus, in dem ein berühmter Regensburger lebte: die barocke Hausmadonna in der Oberen Bachgasse 7. Der Baublock hat sich seinen mittelalterlichen Charakter bewahrt . Das bekannteste Anwesen in der Oberen Bachgasse ist das Wohnhaus Albrecht Altdorfers. Er wird um 1480, vermutlich in Regensburg, geboren. Als Bürger von Regensburg ist er erstmals am 13. März 1505 nachgewiesen. Der Maler gelangt trotz der für die Stadt wirtschaftlich ungünstigen Zeit zu Wohlstand. 1513 erwirbt er das stattliche Haus „sambt dem Turm und Hofstetten ... an Sand Veytspach (am Vitusbach) bey den Augustinern gelegen...“. Das Haus war bereits im 13./14. Jahrhundert erbaut worden. An der Nordseite erinnert eine Schrifttafel an den berühmten Eigentümer: „Wohn- und Sterbehaus des groszen Regensburger Malers Albrecht Altdorfer † 12. Februar 1538“. Unter der Inschrift finden sich drei Wappen: Regensburg, Altdorfer und Altdorfermonogramm.

Im 18. Jahrhundert wird die Fassade dem Zeitgeschmack entsprechend umgestaltet und mit barockem Putzdekor überzogen. Der Patrizierturm verliert seinen ursprünglichen Zinnenabschluss und erhält ein Zeltdach. Aus barocker Zeit stammt auch die würdevolle Hausmadonna im 1. Obergeschoss an der Nordwestecke des Turms. Die Steinskulptur, entstanden um 1700, steht auf einer akanthusverzierten Konsole, beschützt von einem gestuften, polygonalem Blechdach. Der Bildhauer stellt hier Maria als Königin des Himmels mit Krone und Zepter dar. Sie neigt ihr kronenschweres Haupt dem Kind auf ihrer Linken zu, das mit langer Lanze nach dem Teufel sticht, der sich in Gestalt der Schlange um den Erdball windet. Das metallene Herz zu Füßen der Madonna, mit verglaster Schauseite, dient als Lampe.

Eine Lichtampel vor der Hausmadonna – diese Gestaltung kommt aus Italien, woher im Mittelalter auch die Anregung dafür stammte, das Haus unter den Schutz der Gottesmutter zu stellen. Die Hochblüte der Hausmadonna setzt mit dem barocken Hausbau ein. In Bayern wird zu dieser Zeit immer öfter die Madonna der Mariensäule in München zum Vorbild, die Kurfürst Maximilian I. als „Patrona Boiariae“ (Schutzherrin Bayerns) 1638 in Dankbarkeit für ihren Schutz im Dreißigjährigen Krieg auf dem Marienplatz aufstellen ließ. So ist dieser weit verbreitete Bildtyp zum Beispiel auch Anregung für die Mariensäule in Kelheim, die Ratsherr Jakob Mayr ebenfalls 1700 errichtet. Die dortige Marienstatue ist nahezu identisch mit der Hausmadonna am Altdorfer-Haus. In diese typisch barocke Darstellung fließt das Immaculata-Motiv ein. 1708 führt Papst Clemens XI. offiziell das Fest der Unbefleckten Empfängnis ein. Die majestätische Hausmadonna in der Oberen Bachgasse ist ein Bild des Zeitgeistes: Nach der Abwehr der reformatorischen Angriffe auf den Marienkult lebt die volksfromme Verehrung der Gottesmutter neu auf. Maria wird gestaltet als Königin des Himmels und der Erde, als die Siegerin über die sichtbaren und unsichtbaren Widersacher der Kirche und der Seelen.

Maria

Foto: altrofoto.de