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Das Projekt "Da-Sein in Kunst und Kirche" bringt spannende Begegnungen von zeitgenössischen Werken und Gotteshäusern.

In gotischen, barocken ebenso wie modernen Kirchenräumen fordern vielfältige Arbeiten – Aktionskunst, Installationen, Skulpturen, Gemälde, Zeichnungen – heraus.

Das Projekt "Da-Sein in Kunst und Kirche" ist der Versuch, ganz konkret vor Ort an die offene Tradition anzuknüpfen, mit der sich Glaube und Künstler durch die Jahrhunderte gegenseitig angeregt haben und große Werke von den gotischen Kathedralen bis zum abstrakten Christustorso entstanden sind.

2017 werden an zahlreichen Orten neue Kunstpositionen zum Thema Barmherzigkeit im Mittelpunkt stehen. Wir laden Sie ein, sich von den Werken ebenso wie von den Künstlerinnen und Künstlern anregen zu lassen und Gotteshäuser neu zu erleben!

 

2016 war die Begegnung mit folgenden Werken möglich

Erde und Licht und sonst nichts. Geschützt von einem Stahlmantel. Die Landauer Künstlerin Madeleine Dietz birgt Glaubens- und Lebenswahrheiten in einem Tresor (griech. thésauros „Schatzkammer“), der bis Allerheiligen in der Kirche St. Franziskus in Burgweinting gezeigt wurde. Die reduzierte Skulptur verbirgt und enthüllt eindrucksvoll das Geheimnis von irdischem Vergehen und lichtvoller Auferstehung. 
Entstanden ist diese Art von Licht-Erde-Objekten in Zusammenhang mit den Abschiedsräumen in Krankenhäusern. Die Leuchtspur auf getrockneter Erde weist den Weg vom irdischen Sein zum göttlichen Versprechen des Lebens im Licht, das den Tod überwindet. 
Erde ist der fruchtbare Boden, in dem organische Materie aufgegangen ist und auf dem neues Leben wächst. Er kann bearbeitet und gepflegt, aber auch im Raubbau des Menschen verdorben werden. Die Erde ernährt uns, wir gehen in sie zurück. Die Lehmbrocken stehen für Madeleine Dietz für den Kreislauf des Lebens, verbunden mit dem Nebeneinander von Leere und Fülle und der Frage, nach dem was bleibt.In der Stadtpfarrkirche St. Marien in Sulzbach-Rosenberg spannte vom 10. bis 21. November die Künstlerin Regina Herzog einen Vorhang aus "Blut und Gold", ein aufrüttelndes Werk zwischen Rohstoffraubbau und spirituellen Werten.  Ein golddurchwirktes Fadennetz spannt sich aus. Es verunklärt den Blick und verklärt ihn zugleich. Gold hat immer seine zwei abgrundtief verschiedenen Seiten. Seit jeher ist Gold allerhöchstes Gut der Menschen für ihre Götter, und seit jeher haftet an ihm auch ein menschenverachtender, tödlicher Fluch. Denn allzu oft weckte der Lockruf des Goldes die finsteren Mächte und es folgten Ströme von Blut. Gold ist schöner Schein, sein Glanz ist Festgewand, in Wahrheit aber bloß eitler Tand.

Krotter Detail

Kaufer Diesseits Roetz"Das Himmlische Jerusalem" aus goldfarbenen, zersägten und neu zusammengesetzten Platinen auf Holz, ein Werk des Burglengenfelder Künstlers Heribert Krotter, stand in spannungsreicher Beziehung zu der Architektur der Pfarrkirche St. Georg in Hienheim (Lkr. Kelheim). Krotter lässt die komplexe, äußerst diffizile Struktur, die aus den heute tausendfach verbauten Elementen der hochtechnisierten Welt entsteht, und den warmen Farbton zu einem irritierenden Symbol für die Pracht und Herrlichkeit der biblischen Vision werden.

Hess Verkuendigung

In der Pfarrkirche St. Martin in Rötz hing ein monumentaler Crucifixus aus Holz und Baustahlgitter des Künstlers Gert H. Meier. Zerschundene Holzbalken im Bauschuttcontainer lieferten den Impuls für dieses zutiefst ergreifende Kunstwerk. Der brutale, wegwerferische Umgang mit einem Werkstoff aus der Natur wurde hier zur Parabel für den zerschundenen Christus in der Passion. Hinzu kam ein kreuzförmiger Überfang aus rostigem Baustahlgitter, der das gemarterte Wesen zu schützen scheint, aber gleichzeitig doch auch ein Käfig ist. Gefangensein in der Brüchigkeit des Körperlichen einerseits, andererseits aber Befreiung in der abstrakten Kreuzform und der filigranen Durchlässigkeit des Liniengitters.

Eine Installation von Raoul Kaufer war im gotischen Kirchenraum der ehemaligen Dominikannerinnenkirche auf dem Adlersberg sowie in Rötz zu sehen. Raoul Kaufer spannte ein weißes T-Shirt durch den Kirchenraum: „Diesseits“ nennt sich das Werk, obwohl einem zunächst eher Jenseitiges in den Sinn kommt. Ein schwebend leichtes, schneeweißes Gebilde, einem Kreuz ähnlich, aber dann doch auch wieder ganz anders, mit schier ins Unendliche verlängerten Armen.

"Verkündigung": In der zeitgenössischen Kirche St. Franziskus im Regensburger Stadtteil Burgweinting setzte die Installation des Nürnberger Künstlers Hubertus Hess einen spannungsreichen Akzent. Eine überdimensionierte Lilie aus Aluminiumguss, ein übermaltes Foto eines Engelwesens, das Maria die Botschaft vom Sohn Gottes bringt, der in seinem Tod den Menschen neues Leben schenkt - die Objekte stehen für den Beginn eines Wirkens, das zu seinem unüberbietbaren Höhepunkt an Ostern strebt.

http://www.mittelbayerische.de/nachrichten/kultur/artikel/kunst-macht-unsichtbares-sichtbar/897564/kunst-macht-unsichtbares-sichtbar.html 

Leben ist Begegnung

Luftkreuz_1Mit großem Erfolg wurde 2011 auf Initiative des Diözesanmuseums Regensburg und des Künstlerseelsorgers des Bistums, Domvikar Dr. Werner Schrüfer, das Liturgisches Kunstprojekt aus der Taufe gehoben:

"Da-Sein in Kunst und Kirche". Begegnungen von Gegenwartskunst und christlicher Gemeinde.

 Ziel dieses Projektes ist es, Künstler aus dem Bistum zu motivieren, Arbeiten zu existenziellen Themen des Daseins („Da-Seins“) zu schaffen.

Neue Kunstwerke werden beim Gottesdienst oder in anderen Formen der Gemeindearbeit für Erwachsene, Jugendliche oder Kinder konkret in den Blick genommen, sind Mittelpunkt von Meditationen, Gesprächen und Aktionen und regen an zur individuellen Auseinandersetzung mit Kunst und dem inspirierenden Thema. So können Diskussionen aus Kunst und über Kunst, aber auch über das Leben, seine Fragen und über den Glauben entstehen. Die Grundvorgänge unseres Daseins – Beziehungen, Schmerz, Angst, Freiheit, Liebe, Vergeblichkeit, Tod stehen als das Verbindende von künstlerischer Arbeit und dem nachdenkenden Christsein.

Nach dem philosophischen Satz Sören Kierkegaards „Das Christentum ist keine Lehre, sondern eine Existenzmitteilung“ geht es in dem neuen Projekt darum, die Herausforderungen der Existenz mit und ohne Glaube in den Mittelpunkt zu stellen. Die spannenden Fragen sind: Wie stellen Künstler Themen wie Hoffnung, Selbstliebe, Veränderung und Verwandlung, Trauer, Hunger und Durst heute dar? Und wie nehmen Kinder, Jugendliche und Erwachsene in der Kirche diesen aktuellen künstlerischen Ausdruck der Jeden berührenden Bedürfnisse und Ungewissheiten an?

Im Frühjahr stand in St. Coloman in Harting als Zeichen österlicher Hoffnung die Plastik "Licht - Erde - Tresor" von Madeleine Dietz im Zentrum meditativer Betrachtungen.

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In der Universitätskapelle Regensburg zeigte Raoul Kaufer im Wintersemester 2015/16 seine Installation "Ewigkeit". In seiner Unschärfe entzog und eröffnete sich auf einem Großtransparent an der Wand eine Bibelzeile: "Uns, die wir nicht auf das Sichtbare starren, sondern nach dem Unsichtbaren ausblicken, denn das Sichtbare ist vergänglich, das Unischtbare ist ewig." (2 Kor 4,18) - über einer Gefriertruhe. Der Blick fiel auf einen Eisblock, in dem das Organ eingeschlossen ist, das den Homo Sapiens zu seiner Selbstdeutung als "Krone der Schöpfung" verleitet: das Gehirn. Der Künstler reduziert es zeichenhaft auf die spiegelnde, glatte Fläche eines Bildes. Stillgelegt, erstarrt ruht die anatomische Zeichnung in der Gefriertruhe als ewig gleiches, vereistes Sinn- und Abbild seines unverfroren widersprüchlichen Wesens.

2015 stand in St. Coloman in Harting als Zeichen österlicher Hoffnung die Plastik "Licht - Erde - Tresor" von Madeleine Dietz im Zentrum meditativer Betrachtungen.

Bis Anfang August zeigte der Nürnberger Künstler Hubertus Hess in der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt auf dem Adlersberg die Skulptur "Wenn Engel reisen". Er holt in seiner kleinen Plastik einen Engel in den Alltag, mitten herein ins Leben, als nur schemenhaft gegenwärtiger Reisebegleiter in einem Rollköfferchen. Nicht Größe und Glanz zählen, sondern schlichtes Dabeisein ist viel genug.

In der ehemaligen Klosterkirche war auch der "Tausendträumer" zu sehen, ein Acrylgemälde von Tom Kristen, das in die Weite der Sehnsucht führt. Eine Figur mit Flugapparat oder Flügeln steht auf einem Hügel und betrachtet sehnsüchtig den übergroßen Mond. Das Unerklärbare als Wert an sich und Kreativität als Motor unseres Daseins sind Inhalt dieser Arbeit.

In St. Laurentius in Neustadt/Donau wurde im vergangenen Jahr die Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper, dem Werden und Vergehen zum Thema: im Objekt "Abschied" mit Implantaten, Textil, Blumen und Glas der Künstlerin Renate Haimerl-Brosch.

Geissler ElementeIn St. Pius in Kelheim standen die Skulpturen "Die vier Elemente" von Michaela Geissler aus Geisenhausen im Mittelpunkt. In St. Marien in Sulzbach-Rosenberg wurde die Installation "Schon in der Nacht sah ich das Licht" von Alois Achatz in Gottesdiensten und Gesprächen interpretiert. 

In St. Coloman in Harting und in der Basilika Waldsassen setzten die Skulpturen "Die vier Elemente" von Michaela Geissler aus Geisenhausen einen Kontrast im barocken Altarraum. Michaela Geissler hat aus Lehm in ihren Stelen Menschenbilder geschaffen, in ihrer verknappten Form eigentlich wieder auf die Urformen zu-rückverdichtet. Es sind allgemeingültige Symbolgestalten für den Menschen als Kern der Schöpfung, in welchem die vier Urelemente vereint sind. 

In Harting setzte auch die Installation "Zeit-Leben-Begreifen" von Franz Pröbster Kunzel einen besonderen Akzent. Leben im Rhythmus, den die Natur vorgibt – wenigstens für zehn Minuten. Innehalten, Zeit und damit vielleicht das Leben begreifen und dabei den stetig fallenden Wassertropfen lauschen, bis Lautlosigkeit den Kirchenraum erfüllt. Die Einladung des Künstlers forderte mit einfachen Materialien der Langsamkeit heraus. Sie bot an, im Haus Gottes zur Ruhe zu kommen, seinem Herzen 

Kunzel Harting1und den vergänglichen Minuten nachzuspüren. Franz Pröbster Kunzel ließ Wasser durch Eimer laufen. Jeder Tropfen setzte einen Ton im leisen Konzert. Wenn das meiste Wasser durch den Boden gesickert war, die Tropfen immer langsamer wurden und in die Stille führten, wenn das Wasser versiegte, konnten wir als Zuhörer ganz da sein – im Jetzt, der einzigen Zeit, die zählt. Und jeder Besucher konnte die Installation selbst aufs Neue ins Fließen bringen, mit Ehrfurcht vor der Handlung spüren, sehen und horchen.